Bautechnische Regelungen für Ersatzbaustoffe wie HMV-Asche im Erd- und Straßenbau

Das FGSV-Regelwerk definiert die bautechnischen Anforderungen für den Einbau von Hausmüllverbrennungsasche im Erd- und Straßenbau

Der Einsatz von HMV-Asche ist technologisch abgesichert

Im Straßen- und Erdbau gibt es klare bautechnische Vorgaben. Die nationalen technischen Regelwerke des Straßen- und Verkehrswesens werden durch die Gremien der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) verantwortet. Das Regelwerk befasst sich mit den Bereichen Verkehrsplanung, Verkehrsmanagement, Verkehrstechnik, Straßenentwurf, Straßenbau, Straßenbetrieb und Straßenerhaltung. Die Veröffentlichungen der FGSV werden von Bundesländern in der Regel übernommen. Bundesländer können aber Änderungen vornehmen, so dass bundeslandspezifisch voneinander abweichende Anforderungen möglich sind.

HMV-Asche ist seit langem im Regelwerk für Erd- und Straßenbau integriert

Bezüglich der Anforderungen an Hausmüllverbrennungsasche (HVMA) im Straßen- und Erdbau sind zahlreiche Veröffentlichungen zu beachten. Neben den Richtlinien (R), Technischen Lieferbedingungen (TL), Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen (ZTV) und Technischen Prüfvorschriften (TP), die für alle Gesteinskörnungen gelten, sind noch spezielle Merkblätter zu beachten, die Bezug auf die Ausführung mit Hausmüllverbrennungsasche nehmen. 

HMVA-relevante Regelwerke der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen

Hausmüllverbrennungsasche im Straßenbau: relevante Regelwerke der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)

Aufbau einer Straße nach RStO 12

Bezüglich der Ausbildung des Straßenoberbaus sind die „Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen“ (RStO 12) zu beachten. Die nachfolgende Grafik stellt eine vereinfachte Darstellung eines Straßenaufbaus dar. Man unterscheidet den natürlich vorhandenen Untergrund, den Unterbau und den Oberbau. Letzterer setzt sich aus zwei bis drei Tragschichten zusammen, i. d. R. jedoch mindestens aus einer Frostschutzschicht und einer Schotter- oder Kiestragschicht, die gebunden oder ungebunden sein kann.

FGSV Begriffsdefinitionen für Straßenbau

Beispiel einer Straßenbefestigung und Begrifflichkeiten nach RStO

Zuordnung von Bauklassen aufgrund der Straßenart

Weiterhin werden im FGSV Regelwerk sogenannte Bauklassen unterschieden. Jede Straße wird in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung einer dieser Bauklassen zugeordnet. Es wurden nach alter RStO 01 sieben Kategorien mit abnehmender Belastung unterschieden, beginnend mit SV (höchste Belastung, wie z. B. Bundesautobahnen oder Landstraßen), gefolgt von den Klassen I bis VI, wobei VI die geringste Verkehrsbelastung – wie z. B. bei einer Anliegerstraße – aufweist.

Belastungsklassen von Straßen haben Auswirkungen auf Einsatzmöglichkeit von Ersatzbaustoffen

Belastungsklasse für typische Entwurfssituationen

Mit der Einführung der neuen RStO 12 wurden Bauklassen durch Belastungsklassen ersetzt, und eine Zuordnung zwischen alter und neuer Klasse ist seitdem notwendig (siehe nachfolgende Tabelle).

Die Bauklasse bzw. Belastungsklasse hat unter anderem Auswirkungen auf die Art der Ausführung und den Aufbau des Straßenoberbaus. Die Bauweise mit Beton- oder Asphaltdecke kann prinzipiell in allen Bauklassen erfolgen. Der Einsatz von Pflasterdecken ist erst ab der Bauklasse III zulässig.

Für die Anforderungen an Gesteinskörnungen für ungebundene Schichten wie Frostschutzschichten und Schottertragschichten sind TL Gestein-StB 04 und TL SoB-StB 04 zu beachten. Im Erdbau sind besonders die Technischen Lieferbedingungen für Böden und Baustoffe TL BuB E-StB 09 und die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen ZTV E-StB 09 relevant.

Fazit: Bautechnische Eignung

Hausmüllverbrennungsasche (HMVA) kann aus bautechnischer Sicht in den nachfolgenden genannten Anwendungen als Ersatzbaustoff eingesetzt werden:

  • Straßenunterbau
  • hydraulische Bodenverbesserung, Bodenverfestigung
  • Schutzwall, Damm, Anschüttung
  • Frostschutzschichten für Bauklasse III bis VI
  • Schottertragschichten für wenig beanspruchte Flächen sowie Rad- und Gehwege
  • Verfüllung von Baugruben und Leitungssträngen außerhalb der Leitungszone, wenn nicht mit häufigen Aufbrüchen zu rechnen ist

Die Umweltvorgaben für den Einsatz von Hausmüllverbrennungsasche sind zusätzlich zu beachten. Eine Gesamtübersicht der resultierenden Anwendungsgebiete unter Berücksichtigung von Bautechnik und Umweltvorgaben finden Sie hier

Handbuch Ersatzbaustoffe

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